Jahrhundertlang beherrschten der Gegensatz und die verschiedenen Interessen der Grossmaechte die europaeische Wirklichkeit.
Immer, wenn eine europaeische Macht zu stark oder zu gross wurde, mussten die anderen dafuer sorgen, dass es wieder zu einem Gleichgewicht der Kraefte kam und keine Nation den Fuehrungsanspruch geltend machen konnte.
Gegensaetze bestanden zwischen Spanien und Portugal, Frankreich und Grossbritannien, Russland und Polen, Oesterreich und Italien etc. etc.
In den meisten Faellen wurden diese Gegensaetze durch kleinere oder groessere kontinentale und koloniale Kriege direkt oder indirekt ausgetragen. Zum Schaden der Bevoelkerung und der Wirtschaft.
In den Zwischenkriegszeiten gab es die verschiedensten Allianzen und einen labilen Frieden in Europa. Dann kam auch noch der nationalistische Gedanken hinzu und die Idee der Ueber- und Unterordnung von Voelkern. »Nationalismus ist Krieg« sagte der franzoesische Staatspraesident Francois Mitterand einmal.
Die deutsch-franzoesische Annaeherung nach dem Zweiten Weltkrieg fuehrte im Rahmen der Europaeischen Gemeinschaften zu einer Aussoehnungs- und Verstaendigungspolitik.
Seither beherrscht nicht ein deutsch-franzoesischer Gegensatz (Erbfeindschaft) die Beziehung, sondern eine deutsch-franzoesische Freundschaft und Zusammenarbeit.
Die Notwendigkeit dazu wurde von den Politikern in den Jahrzehnten mehr oder weniger erfasst und wenn es etwas »mehr« war, schritt die europaeische Integration weit aus.
Auch im Zeitpunkt der Erweiterung der Union auf 25 Mitgliedstaaten ist dieser »Motor« notwendig und bestimmend. Keine andere Partnerschaft hat die Europaeische Union so gepraegt.
Viele der entscheidenden Ideen und Vorschlaege sind aus dieser Partnerschaft entstanden. Oft auch aus wirtschaftspolitischen Notwendigkeiten aber erst die Einsicht dieser beiden Partner hat die anderen Mitgliedstaaten zu einer gemeinsamen Politik gebracht.
Beide Partner zusammen sind die bevoelkerrungsreichsten Staaten und erwirtschaften die Haelfte des Bruttoinlandsproduktes der EU.
Alleine daraus ergibt sich das besondere Gewicht der Kompromisse zwischen Deutschland und Frankreich.
Die meist verschiedenen Positionen zwischen Deutschland und Frankreich werden im Zuge der Zusammenarbeit einander angenaehert und sind dann meist tragfaehige Kompromisse, die auch die meisten anderen EU-Mitgliedstaaten mittragen koennen.
Diese Zusammenarbeit ist aber fuer andere Unionsmitgliedstaaten auch sehr bedenklich.
Insbesondere dann, wenn die Konsultationsmechanismen zu einseitig zwischen Deutschland und Frankreich verlaufen und die anderen Mitgliedstaaten weitgehend ausschliessen.
Der Respekt der grossen Unionsmitgliedstaaten vor den kleinen muss immer gegeben sein. Insofern ist der Begriff »Direktorium« eine bewusst gewaehlte Ueberspitzung der wahren Sachlage.